Das Institut
Wie entstand die Idee zu einer Weiterbildung für Paartherapie?
Ein Beitrag von Andreas Sczygiol
Es waren drei Gründe, die mich dazu gedrängt haben, eine Weiterbildung für Paarberater und Paartherapeuten zu entwickeln: Zum einen ist es meine eigene Begeisterung für dieses so besondere und gleichzeitig schwierige Setting. "Beziehungen bewegen" - diese Worte kamen mir einmal während eines Coachings in den Sinn. Ich mag die Doppeldeutigkeit. Auf der einen Seite ist es meine große Neugierde und Leidenschaft dafür, Beziehungen in Bewegung zu bringen, Impulse zu setzen. Auf der anderen Seite bewegen die Beziehungen mit denen ich in meiner Arbeit in Kontakt komme mich selbst. Diese Begeisterung und diese "Bewegung" möchte ich gerne weitergeben, auch weil das Lehren meine andere große Leidenschaft ist.
Auf der anderen Seite sah ich eine Lücke. Nicht dass es an Angeboten für Ausbildungen zum Paartherapeuten mangeln würde. Im Gegenteil. Aber ich denke da an Insoo Kim Berg, die während eines Seminars sagte, sie mache keine Paartherapie, weil ihr das zu schwierig sei (gelegentlich tat sie es dann doch). Diese Anekdote unterstreicht etwas, dass Arnold Retzer ebenfalls feststellte: Paartherapie ist eine eigene Therapieform und Paartherapie ist schwierig. Um diese Schwierigkeit in der Ausbildung abzubilden braucht es meiner Überzeugung nach Institute, die sich spezialisieren und Ausbildungsgänge, in denen der Rahmen für ein gründliches Lernen und Trainieren gegeben ist.
Paare haben das Recht auf Experten zu treffen. Und künftige Paartherapeuten haben das Recht auf eine Ausbildung, die spezifisch ist, von Dozenten geleitet wird, die viel Erfahrung in diesem Setting haben, die begeistert sind für diese Arbeit und aus eigener Erfahrung um die Klippen derselben wissen.
Und drittens: Als ich selbst anfing mit Paaren zu arbeiten, hatte ich viel Theorie im Kopf. Schnell wurde mir klar, dass ich diese nicht anzuwenden verstand. Dass ich durch die Komplexität des Settings (die Dreierbeziehung, die Geschwindigkeit von Eskalationen usw.) überfordert war. Dass ich viel mehr als in anderen Bereichen meiner psychotherapeutischen Arbeit mit meinen eigenen Anteilen zu tun hatte. Denn in der Paartherapie sind wir ja alle "professionelle Betroffene" oder "betroffene Professionelle". Aus dieser Erfahrung leitet sich das didaktische Konzept der Weiterbildung am IPF ab: Wissen muss praxisnah sein und die Umsetzung und Anwendung muss explizit trainiert werden. Ebenso bedarf es eines intensiven Trainings von nötigen Kompetenzen, die unabhängig von Begabung und Eignung jeder erst lernen muss. Und schliesslich ist die Forderung nach gründlicher Selbstreflexion in diesem Bereich noch dringlicher als in vielen anderen Tätigkeitsfeldern.
Andreas Sczygiol
"Liebesbeziehungen sind wie kunstvoll angelegte Gärten, deren Pflege Fachwissen und Erfahrung braucht, um das Risiko von Verunstaltung zu minimieren."
"Viele Autoren halten Paartherapie für die vielleicht schwierigste Therapieform."
(Walter Schwertl)